Düsseldorfer Tabelle – Änderungen zum 1. Januar 2018

Nach Maßgabe der Düsseldorfer Tabelle berechnen die Gerichte den Kindesunterhalt. Sie enthält in Abhängigkeit vom Nettoeinkommen des unterhaltspflichtigen Elternteils und dem Alter des Kindes die Beträge, die als Unterhalt monatlich an das Kind zu zahlen sind. Die Düsseldorfer Tabelle wird regelmäßig an die Entwicklung der Lebenshaltungskosten angepasst. Maßgebend sind aktuell die Änderungen zum 1.1.2018. Die nächsten Änderungen stehen zum 1.1.2019 an. Die Düsseldorfer Tabelle ist allein schon deshalb wichtig, als ein minderjähriges Kind den ihm zustehenden Kindesunterhalt und Sie als unterhaltspflichtiger Elternteil den maßgeblichen Zahlbetrag des Kindesunterhalts berechnen können.

4 Tipps und Hilfen: Düsseldorfer Tabelle – Änderungen zum 1. Januar 2018

  • Die Düsseldorfer Tabelle listet die Zahlbeträge für den Kindesunterhalt auf. Sie wird von den Gerichten weitgehend übereinstimmend bei der Unterhaltsberechnung angewandt. Dabei geht es um die Höhe der Unterhaltszahlbeträge sowie um die Art und Weise ihrer Berechnung im Einzelfall.
  • Betreuen Sie Ihr Kind nicht in Ihrem Haushalt, sind Sie barunterhaltspflichtig. Minderjährige Kinder sind stets unterhaltsberechtigt, es sei denn, das Kind hat eigene Vermögenseinkünfte oder Arbeitserträge.
  • Die Änderungen zum 1.1.2018 betreffen die Anhebung der Einkommensstufen 1 und 10, die Erhöhung und teilweise Herabsetzung der Unterhaltszahlbeträge, sowie die Anpassung des Ausbildungsmehrbedarfs und der Bedarfskontrollbeträge.
  • Um den jeweiligen Unterhaltszahlbetrag aus der Düsseldorfer Tabelle abzulesen, müssen Sie Ihr bereinigtes Nettoeinkommen errechnen und die Altersstufe des Kindes bestimmen. Zur Sicherung der eigenen Existenzgrundlage ist auf den Selbstbehalt und den Bedarfskontrollbetrag abzustellen.

Inwieweit sind Sie dem Kind unterhaltspflichtig?

Betreuten Sie ein gemeinsames Kind in Ihrem Haushalt, erfüllen Sie Ihre Unterhaltspflicht gegenüber dem Kind dadurch, dass Sie das Kind versorgen und erziehen. Sie leisten also Betreuungsunterhalt. Derjenige Elternteil, bei dem das Kind nicht ständig lebt, leistet Barunterhalt in Geld. Gemeinsames Kind bedeutet, dass der unterhaltspflichtige Elternteil rechtlich als Mutter oder Vater für das Kind verantwortlich ist. Als Vater sind Sie in der Verantwortung, wenn Sie zur Zeit der Geburt mit der Mutter verheiratet waren oder, falls das Kind nichtehelich geboren wurde, die Vaterschaft anerkannt haben. Gegenüber einem minderjährigen Kind sind Sie stets unterhaltspflichtig. Eigene Vermögenseinkünfte und Arbeitserträge kommen hingegen zur Anrechnung. Seinen Vermögensstamm braucht das Kind nicht anzugreifen. Hat das Kind beispielsweise vom Großvater ein Mietshaus geerbt, kommen die Mieteinkünfte zur Anrechnung. Es braucht das Haus zur Sicherstellung seines Lebensunterhaltes aber nicht zu verkaufen, damit Sie sich den Unterhalt sparen. Die Hälfte des Kindergeldes dürfen Sie auf den Unterhaltsbeitrag anrechnen. Das Kind kann auf seinen Unterhaltsanspruch nicht verzichten (§ 1614 BGB). Fordert das Kind Unterhalt für die Vergangenheit, zählt der Zeitpunkt, ab dem Sie aufgefordert wurden, Auskunft über Ihre Einkünfte oder Ihr Vermögen zu erteilen oder mit Sie Ihrer bestehenden Zahlungspflicht in Verzug gekommen sind. Fordert das minderjährige Kind Unterhalt, wird es durch den anderen Elternteil als seinen gesetzlichen Vertreter vertreten.

Unterhaltszahlbeträge nach der Düsseldorfer Tabelle (Stand 1. Januar 2018)

  Nettoeinkommen des Barunter­haltspflichtigen Altersstufen in Jahren % Bedarfs­kontrollbetrag
    0 - 5 6 - 11 12 - 17 ab 18    
1. 1.900 348 399 467 527 100 880/ 1.180
2. 1.901 - 2.300 366 419 491 554 105 1.300
3. 2.301 - 2.700 383 439 514 580 110 1.400
4. 2.701 - 3.100 401 459 538 607 115 1.500
5. 3.101 - 3.500 418 479 561 633 120 1.600
6. 3.501 - 3.900 446 511 598 675 128 1.700
7. 3.901 - 4.300 474 543 636 717 136 1.800
8. 4.301 - 4.700 502 575 673 759 144 1.900
9. 4.701 - 5.100 529 607 710 802 152 2.000
10. 5.101 - 5.500 557 639 748 844 160 2.100

Welche Änderungen gibt es in der Düsseldorfer Tabelle per 1.1.2018?

Dass die Düsseldorfer Tabelle regelmäßig angepasst wird, ist an sich nichts Besonderes. Meist geht es darum, dass sich die Zahl Beträge für den Kindesunterhalt erhöhen. Die Änderung zum 1.1.2018 ändern aber auch die Struktur der Düsseldorfer Tabelle.

Anhebung der Einkommensstufe 1

Die auffälligste Änderung besteht darin, dass die Einkommensstufe 1 ursprünglich bis 31.12.2017 bei 1.500 € Nettoeinkommen endete. Daraus ergab sich ein Kindesunterhalt für ein Kind bis zu 5 Jahren in Höhe von 342 €. Verdiente der unterhaltspflichtige Elternteil dann beispielsweise 1.700 €, befand er sich bereits in der Einkommensstufe 2, mit der Konsequenz, dass er einen höheren Kindesunterhalt zahlen musste, in diesem Fall 360 €.

Nunmehr endet die Einkommensstufe 1 bei 1.900 €. Sie wurde also von 1.500 € um 400 € auf 1.900 € angehoben. Dies bedeutet, dass ein Kind vergleichsweise weniger Kindesunterhalt bekommt. Der Grund besteht eben darin, dass der unterhaltspflichtige Elternteil mehr verdienen kann, nämlich bis zu 1.900 € und dennoch nur den Kindesunterhalt bezahlen muss, den er ursprünglich in 2017 bis 1.500 € Nettoeinkommen zu zahlen gehabt hätte. Erst wenn er mindestens 1.901 € verdient, springt er in der Einkommensstufe 2 und zahlt für ein bis fünfjähriges Kind 366 € Kindesunterhalt.

Die Einkommensstufen 2 bis 9 sind unverändert geblieben und wurden nicht angehoben. Die Einkommensstufe 2 beginnt also nach wie vor bei 1.901 €.

Anhebung der Einkommensstufe 10

Die Einkommensstufe 10 endete ursprünglich bei 5.100 € und wurde nunmehr um 400 € auf 5.500 € angehoben.

Erhöhung der Unterhaltszahlbeträge

Wie in den vergangenen Jahren auch, wurden die Unterhaltszahlbeträge angepasst. Lag Ihr Nettoeinkommen früher bei bis 1.500 €, zahlten Sie für ein Kind in der ersten Altersstufe bis zum 5. Lebensjahr 342 €. Ab 1.1.2018 zahlen Sie 348 €. In der Altersstufe 2 bis zum vollendeten 11. Lebensjahr zahlten Sie früher 393 €, nunmehr sind es 399 €. Auch die Unterhaltsbeträge der weiteren Altersstufen sowie die Unterhaltszahlbeträge der höheren Einkommensstufen 2 bis 10 wurden erhöht. Die Zahlbeträge der 4. Altersstufe, die volljährige Kinder ab dem vollendeten 18. Lebensjahr betrifft, sind unverändert geblieben. Die Zahlbeträge werden zum 1.1.2019 erneut angehoben.

Herabsetzung der Unterhaltszahlbeträge

Die Änderungen zum 1.1.2018 sind allerdings auch insoweit überraschend, als die Unterhaltszahlbeträge teilweise auch herabgesetzt wurden. Zahlten Sie für ein Kind in der untersten Altersstufe bis 5 Jahre im Jahr 2017 438 €, brauchen Sie ab 1.1.2018 nur noch 418 € zu zahlen. Um Ihre Zahlungspflichten wirklich zuverlässig zu beurteilen, sollten Sie also die Zahlbeträge der Düsseldorfer Tabelle 2017 mit den Zahlbeträgen der Düsseldorfer Tabelle 2018 vergleichen.

Anpassung des Ausbildungsmehrbedarfs

Absolviert Ihr Kind eine Berufsausbildung und lebt es im Haushalt eines Elternteils, erhöht sich der Mehrbedarf für seine Berufsausbildung von 90 € auf 100 €. Der Ausbildungsmehrbedarf ist auf die Ausbildungsvergütung in Höhe von 100 € monatlich anzurechnen. Sie zahlen entsprechend weniger Kindesunterhalt.

Anpassung der Bedarfskontrollbeträge

Den jeweiligen Bedarfskontrollbetrag ersehen Sie in der letzten Spalte der Düsseldorfer Tabelle. Zweck ist, Ihr verfügbares Einkommen gleichmäßig zu verteilen. Verbleibt Ihnen in Abhängigkeit von Ihrem Nettoeinkommen nach Abzug Ihrer Unterhaltsverpflichtung nämlich weniger als der jeweilige Bedarfskontrollbetrag, werden Sie in die nächstniedrigere Einkommensstufe eingeordnet. Sie zahlen dann entsprechend weniger Kindesunterhalt. Verwechseln Sie den Bedarfskontrollbetrag aber nicht mit dem Eigenbedarf. Der Bedarfskontrollbetrag ist lediglich in der Einkommensstufe 1 bis 1.900 € Nettoeinkommen mit dem Selbstbehalt identisch und beträgt 880 €, wenn Sie nicht berufstätig sind und 1.080 Euro, wenn Sie berufstätig sind. In der Einkommensstufe 2 ab 1.901 € beträgt der Bedarfskontrollbetrag ab 1.1.2018 1.300 €. Vorher betrug er 1.180 €.

Wie lese ich Düsseldorfer Tabelle?

Über welches Nettoeinkommen verfügen Sie?

Im ersten Schritt müssen Sie Ihr sogenanntes bereinigtes Nettoeinkommen errechnen. Ihr bereinigtes Nettoeinkommen ergibt sich aus Ihrem Bruttoeinkommen, das Sie Ihrer monatlichen Gehaltsabrechnung entnehmen können. Sind Sie selbstständig tätig, zählt das durchschnittliche Einkommen, dass Sie nach Maßgabe Ihrer Einnahmen-Überschussrechnung oder einer Bilanz erzielen. Berufsbedingte Aufwendungen und unabdingbare finanzielle Verpflichtungen dürfen Sie davon abziehen.

Wie alt ist das Kind?

Die Düsseldorfer Tabelle unterscheidet vier Altersstufen. Um Ihren Unterhalt zu ermitteln, müssen Sie in Abhängigkeit von Ihrem bereinigten Nettoeinkommen das Kind in einer Altersgruppe einordnen und den sich daraus ergebenden Unterhaltszahlbetrag ablesen.

Korrigieren Sie die Einordnung

Die Düsseldorfer Tabelle geht davon aus, dass Sie für zwei unterhaltsberechtigte Personen Unterhalt leisten. Der Regelfall besteht darin, dass Sie Ihrem geschiedenen Ehegatten und einem Kind oder gegenüber zwei Kindern unterhaltspflichtig sind. Leisten Sie hingegen für mehr oder weniger als zwei unterhaltsberechtigte Personen Unterhalt, sind Sie jeweils in eine höhere oder niedrigere Einkommensstufe einzugruppieren.

Kontrollieren Sie Ihren Selbstbehalt

Um ihre eigene Existenz abzusichern, steht Ihnen einmonatlicher Selbstbehalt zu. Der Selbstbehalt bei erwerbstätigen Personen beträgt 1.080 € und bei nicht erwerbstätigen Personen 880 €. Das ist der Betrag, der Ihnen auf jeden Fall verbleiben muss. Verdienen Sie bis zu diesen Beträgen, sind Sie, zumindest aus rechtlicher Sicht, nicht zur Zahlung von Kindesunterhalt verpflichtet.

Kontrollieren Sie Ihren Bedarfskontrollbetrag

Verbleibt Ihnen weniger als der Bedarfskontrollbetrag, sind Sie in die nächst niedrige Tabellengruppe einzustufen.

Fazit

Wie immer, wenn es ums liebe Geld geht, sind die Dinge komplex. Zweckmäßigerweise nutzen Sie einen der im Internet verfügbaren Unterhaltsrechner oder lassen sich anwaltlich beraten.

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