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Scheidung für Anfänger – Ein Plädoyer für die einvernehmliche Scheidung

Hätten sie es nur besser gewusst. Offenbar haben Sie es nicht. In dem TV-Film „Scheidung für Anfänger“ durchleben Andrea Sawatzki als Anja und Christian Berkel als Christoph nach 24 Ehejahren eine Trennung mit Hindernissen.

Sendetermin ARD 26. Januar 2019

Es begann so friedlich

Anja und Christian war bewusst geworden, dass sie sich auseinandergelebt und sich nur mehr wenig zu sagen hatten. Die Kinder waren groß und längst aus dem Haus. Die Entscheidung, sich scheiden zu lassen, erschien zwangsläufig. Beide wollten sich einvernehmlich trennen. Der gute Wille war da. Man war sich einig. Einig über alles. Keinerlei Probleme. Dann begannen Schlammschlacht und Rosenkrieg.

Anja startete die Offensive mit dem Gang zur Scheidungsanwältin

Dass es eine Offensive werden würde, wurde ihr spätestens klar, als die Scheidungsanwältin Anja empfahl, Ehegattenunterhalt und Zugewinnausgleich zu fordern und zur Bestimmung der Zahlungsansprüche alle eheprägenden Aktivitäten aufzulisten. Anja staunte nicht schlecht, als auch die gemeinsame Tennisstunde mit Christian für die Höhe des Unterhalts maßgeblich sein sollte. Um dem werten Gatten eventuelle unterhaltserhöhende Eheverfehlungen nachzuweisen, hielt die Anwältin Anja an, ihm einen Detektiv an die Fersen zu heften.

Da Christoph alleiniger Eigentümer des ehelichen Anwesens war, wollte er selbstverständlich sein Haus behalten. Auch „seinen“ Hund wollte er zu sich nehmen. Zufälliger-… nein dummerweise traf er auf einem Parkplatz eine liebe Bekannte aus früheren Zeiten, die dem lieben Christoph sogleich als potentiell alleinstehendem Partner den Hof machte. Versteht sich, dass der beauftragte Detektiv alles im Bild genau festhielt. Klar, dass Anja sich sodann genötigt sah, die „Krallen“ besonders krallig auszufahren.

Die Gegebenheiten schaukelten sich zwangs­läufig hoch und höher

Keiner war bereit, irgendwo nachzugeben. Vor allem dem nüchternen Christoph erschien keine Idee abstrus genug, um sie nicht in die Tat umzusetzen. Letztlich führten die Auseinandersetzungen dazu, dass nach einer ungezügelten lärmintensiven Gartengrillparty mit Polizeibegleitung die eheliche Immobilie abgefackelt wurde. Damit war jegliche Basis für eine wenigstens auf einer Freundschaft basierende Beziehung endgültig zunichte gemacht. Auch dass Freunde nicht gleich Freunde sind, musste Christoph bitterlich erfahren, als sich sein Tennispartner weigerte, seinen „besten“ Freund nach seinem übers Knie gebrochenen Auszug aus dem eigenen Haus für die Nacht Unterkunft zu gewähren.

Erst allmählich, nicht zuletzt im Hinblick auf die Heirat der gemeinsamen Tochter, dämmerte Anja und Christoph, dass sie offensichtlich weitaus mehr füreinander empfanden, als ihnen bewusst war und sie sich eingestehen wollten.

Im Happy End der Geschichte reichen sich Christoph und Anja die Hände und geloben, es doch noch einmal miteinander zu versuchen.

Die Moral der Geschichte liegt auf der Hand

Hätten sie ihre ins Auge gefasste einvernehmliche Scheidung auf vernünftiger Basis mit einer soliden Scheidungsfolgenvereinbarung abgerundet, hätte sich die Auseinandersetzung mit hoher Wahrscheinlichkeit vermeiden lassen. Eifersüchteleien, ihre gekränkten Seelen, enttäuschte Beziehungen und die fehlende Perspektive im Leben blockierten jegliches rationale Denken und Handeln. Scheidungen sind keine Null-Summen-Spiele. Gewinnen kann nur derjenige, der nicht nur nimmt, sondern auch bereit ist, etwas zu geben.

Auch wenn die Geschichte als Komödie daherkommt, setzt sie genau dort an, wo das Leben tatsächlich spielt. Trotz der einen oder anderen überspitzt dargestellten Szene, zeigt der Film gerade dem mit dem Gedanken von Trennung und Scheidung behafteten Zuschauer auf, auf was er sich einlässt, wenn er vor lauter Sprachlosigkeit und Eigensinn keinen Zugang zum Partner mehr findet und glaubt in Trennung und Scheidung die Lösung aller Probleme suchen zu müssen. Wenn denn die Scheidung rational unausweichlich erscheint, sollte die einvernehmliche Scheidung in Verbindung mit einer Scheidungsfolgenvereinbarung zwar nicht der Weisheit letzter Schluss, wohl aber die bessere aller schlechteren Lösungen darstellen.

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Autor Volker Beeden vgwort-pixel

Datum 1. Februar 2019

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